Wie gut ist es, alte Freunde zu haben. Freunde solcher Art, die sich trauen einem Dinge zu sagen, die man eher nicht so gerne hören mag. Oder solche Sachen, die, wenn man sie später im Stillen nochmal rekapituliert, einen in ihrer Wahrheit tief im Innern treffen. Man hat es dort schon immer gewußt, nur die vielen Ausflüchte oder Ausreden wollten die Erkenntnis nicht aufkommen lassen.

Nun fange ich gleich von Anfang an zu fabulieren. Ich wollte schon immer so gerne das Klavierspielen erlernen. Und habe diesen Wunsch fast mein ganzes Leben vor mich hin- und hergeschoben. Gute Gründe/Ausflüchte/Ausreden gehabt es doch nicht anzufangen. Aber immer mit Wehmut und leisem Neid auf diejenigen geblickt die es können.
Da sitzt diese Freundin vor mir, die das Glück hatte es in ihrer Jugend zu erlernen, immer noch große Freude daran findet und sich ihr Repertoir von der Klassik in den Rock-Pop Bereich erweitert hat. Die hört sich mein Jammern und Klagen über die verpaßte Chance zum wiederholten Male an und sagt zu mir, "das sie sich das nun wirklich nicht mehr anhören könne. Ich sei doch schon seit so vielen Jahren erwachsen. Warum ich nicht endlich ein Klavier kaufen und einfach anfangen würde Unterricht zu nehmen!"
In meiner Erinnerung habe ich, glaub ich, weitere Gründe angeführt die dagegen gesprochen haben. Aber im schon erwähnten Tief-Inneren hat sich dieser Satz festgesetzt. Kaum sind weitere Jahre vergangen, fühle ich mich bereit die Erfüllung meines Wunsches aktiv anzugehen.

Zumindestens möchte ich es versuchen. Nachdem klar ist, das dieses Projekt nicht in drei Wochen oder drei Monaten zu bewältigen ist, wäre es gut, recht bald damit zu beginnen. 

Dies waren die initialen Umstände. Wichtig dieser Satz meiner Freundin und das Überwinden meiner Passivität. Es war bestimmt kein Vorsatz am Jahresanfang mich mit den Bedingungen und Äußerlichkeiten zu meinem Vorhaben zu befassen. Sicherlich einfach nur der richtige Zeitpunkt in meinem Leben. Und eine willkommene Herausforderung. Aus Langweile eher nicht. Beruflich bin ich eingespannt. Zu meiner Tätigkeit gehören Wochenenddienste und Abenddienste, die dem Verlauf einer strukturierten Woche eher hinderlich sind. Werde ich Zeit finden regelmäßig zu üben? Habe ich nach Dienstschluß überhaupt noch die Kraft dazu? Lachen mich die Leute nicht aus, wenn ich erzähle, das ich anfangen möchte? Bin ich in meinem Alter überhaupt noch in der Lage mir so eine komplexe Fähigkeit anzueignen?
Das sind Befürchtungen die mir im Kopf umhergehen. Ich versuche sie nicht allzusehr an die Oberfläche kommen zu lassen. Sonst könnte ich das Ganze gleich wieder in die Versenkung fallen lassen. Immer diese "was-wäre-wenn" Gschichten. 

Es gibt nahe Menschen um mich herum, die behaupten ich hätte einen Hang zum Monologisieren. Und könne nicht rechtzeitig erkennen wenn ich mein Gegenüber mit Erzählungen über Musik, Chorerlebnissen oder dem Klavierspielen ermüde. Das ist natürlich eine Übertreibung, die jeglicher Grundlage entbehrt! Vielleicht kann ich mit diesem Forum mein familiäres Umfeld und den Freundeskreis schonen, indem ich für mich in "Claudias Gschichten" all meine musikalischen Erfahrungen verarbeite. Vielleicht kann dies auch ein Schlüssel für eine Art Tagebuch sein um den Verlauf meiner zukünftigen Erkenntnisse in dieser Sache zu dokumentieren.

 

 

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